LUGANO PARADISO: „Operationsgebiet Schweiz“ kommt auf die Bühne

Ein Stück Zeitgeschichte kommt auf die Bühne: In LUGANO PARADISO setzt sich der in Berlin lebende Schweizer Theaterautor Andreas Sauter kritisch mit der Schweiz während des Kalten Krieges auseinander.

Aus der Stückbeschreibung:
„Gewappnet mit dem Zivilverteidigungsbuch machen sich die Eidgenossen bereit zur Landesverteidigung. Eine Geheimorganisation zur Stärkung des Widerstandswillens, P26, wird gegründet. Der Staat bespitzelt und fichiert mehr als 800 000 Menschen. Alle, die sich nicht im bürgerlichen oder rechtsbürgerlichen Mainstream bewegen, machen sich verdächtig. Die geistige Landesverteidigung mündet in einem skurrilen Sicherheitsdenken.

Doch es finden sich Löcher im Eisernen Vorhang. Die neutrale Schweiz, die das Handelsembargo der Westmächte gegen den Ostblock nicht offiziell stützt, wird zum Umschlagplatz aller erdenklichen Embargogüter. Dubiose Geschäftsleute lassen sich nieder, gründen Briefkastenfirmen. Ein geheimer, undurchschaubarer Wirtschaftsapparat, der Gewinne in Millionenhöhe einstreicht und auf Schweizer Konten verschwinden lässt. Geduldet von Schweizer Behörden, gelenkt vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR.

Das Personal in Lugano Paradiso ist gross, die Dramaturgie bestechend: Scheinbar nebeneinander agierend, stossen die Figuren immer wieder aufeinander: Staatsschützer, Journalisten, Widerstandskämpfer der P26, Befrager, Anwälte, skrupellose Geschäftemacher, Opfer. Jeder beobachtet jeden. Jeder ist verdächtig. Eine Stimmung von Angst, Misstrauen und bedingungslosem Widerstandswillen breitet sich aus.

Dadurch, dass Andreas Sauter die Begegnung der Figuren zum Teil auf verschiedenen Zeitebenen stattfinden lässt, entsteht eine flirrende, mal erschreckende, mal absurde Atmosphäre, die sich zunehmend verdichtet und eine anhaltende, ständig korrespondierende Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt. (…)

Dokumentarisch genau beschreibt Sauter die atomare Bedrohung, das Wettrüsten, das antikommunistisch aufgeladene Klima in der Schweiz, die sich zum Überwachungsstaat entwickelt, sich als Bollwerk gegen kommunistische Unterwanderung versteht und zur gleichen Zeit das DDR-Regime durch ihre Passivität und Duldung der Umgehungsgeschäfte jahrzehntelang stützt und sich bereichert.

Lugano Paradiso ist eine rasante Reise durch die jüngste Geschichte, die nicht mit dem Kalten Krieg endet, sondern bis ins Heute führt und drängende Fragen auf unsere Zukunft wirft.“

Das Theaterstück basiert unter anderem auf den Recherchen über die geheimen Geschäfte der Stasi in der Schweiz, die 2015 im Buch „Operationsgebiet Schweiz“ veröffentlicht worden sind.

Die Uraufführung findet am 22. März 2018 in St. Gallen statt. Die Vorstellung ist ausverkauft.

LUGANO PARADISO oder So schön wie dieses Jahr hat der Flieder lange nicht geblüht

 

Neue Fälschungsvorwürfe gegen Zürcher Galeristin

Im Mai 2016 sorgte die Zürcher Galerie Orlando für Schlagzeilen: Sie soll ein Gemälde des «Meisterfälschers» Wolfgang Beltracchi in den Handel gebracht und verkauft haben (der TA berichtete).

Nun werden erneut schwere Vorwürfe gegen die Galeristin laut. Sie soll dem bekannten Liechtensteiner Kunstsammler Herbert Batliner gleich mehrere gefälschte Gemälde verkauft haben.

von Ricardo Tarli

zum Artikel (Tages-Anzeiger vom 4.11.17)

 

Das Zuger Stasi-Netz

Über Jahre hinweg nutzte der ostdeutsche Geheimdienst die Schweiz, um die internationalen Sanktionen gegen die DDR zu umgehen. In die geheimen Stasi-Geschäfte waren auch bekannte Politiker verstrickt.

zum Artikel: Heisse Geschäfte im Kalten Krieg (Zentralschweiz am Sonntag, 16.07.17)

Weil ein Betroffener die Publikation des Artikels mit juristischen Mitteln zu verhindern versuchte, sind alle Namen von Personen und Firmen anonymisiert worden.

„Pinkeln wie die Westler“

In seiner neusten Ausgabe widmet sich der SPIEGEL (Nr. 23/2017) den diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und der Schweiz.

Die Schweizer Regierung sei, so schreibt der SPIEGEL, „kein Fan der deutschen Einheit“ gewesen. Franz Birrer, der letzte Botschafter der Schweiz in Ost-Berlin soll sogar „viel Verständnis“ für das Honecker-Regime gezeigt haben.